Seit dem 1. Februar 2026 fährt die Hermann-Hesse-Bahn wieder zwischen Calw und Weil der Stadt. Nach fast 40 Jahren Stillstand beweist sie: Reaktivierte Bahnstrecken werden angenommen – und zwar weit besser als erwartet. Ein Vorbild, das Mut macht für die Steigerwaldbahn.
Ein Jahrhundertprojekt wird Realität
1983 fuhr der letzte Personenzug auf der Württembergischen Schwarzwaldbahn zwischen Calw und Weil der Stadt. Was folgte, waren Jahrzehnte des Stillstands – und des Kampfes engagierter Bürgerinnen und Bürger für die Wiederinbetriebnahme. 2012 beschloss der Landkreis Calw die Reaktivierung unter dem Namen Hermann-Hesse-Bahn. Der Weg dorthin war steinig: Klagen wegen Artenschutz, explodierende Kosten, immer neue Verzögerungen. Doch am 31. Januar 2026 wurde die Strecke mit einem großen Bahnhofsfest feierlich eröffnet.
Heute fahren moderne, batterie-elektrische Züge vom Typ Siemens Mireo Plus B im Takt zwischen Calw und Weil der Stadt. Von dort geht es mit der S-Bahn weiter nach Stuttgart – in nur 60 Minuten von der Kleinstadt in die Landeshauptstadt.
Fahrgastzahlen übertreffen alle Prognosen
Die Ergebnisse nach den ersten Betriebstagen sprechen eine eindeutige Sprache: Bereits am Eröffnungstag nutzten zwischen 4.000 und 5.000 Menschen die neue Verbindung. Pro Zug waren 200 bis 250 Fahrgäste unterwegs – ab dem Mittag bis auf den letzten Stehplatz. Die Fahrgastprognose von rund 2.800 Reisenden pro Tag wurde schon in der ersten Betriebswoche deutlich übertroffen – und das trotz eines noch eingeschränkten Stundentakts und parallel weiterfahrender Buslinien.
Landrat Helmut Riegger brachte es auf den Punkt: Der enorme Zuspruch zeige, dass sich alle Mühen und das lange Warten mehr als gelohnt hätten. Auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann hatte schon im Vorfeld prognostiziert, dass die konservativ berechneten Fahrgastzahlen weit übertroffen werden. Er sollte Recht behalten.
Die Parallelen zur Steigerwaldbahn sind unübersehbar
Was in Calw gelungen ist, kann auch im Steigerwald gelingen. Die Ausgangslage ist vergleichbar: Eine traditionsreiche Bahnstrecke, die 1987 für den Personenverkehr stillgelegt wurde. Gemeinden entlang der rund 50 Kilometer langen Strecke zwischen Schweinfurt und Kitzingen, die dringend bessere Anbindungen brauchen. Und eine Bevölkerung, die unter zunehmendem Straßenverkehr, fehlenden Alternativen zum Auto und der Abwanderung junger Menschen leidet.
Die Hermann-Hesse-Bahn hat bewiesen, was Gutachten allein nicht zeigen können: Wenn ein attraktives Bahnangebot geschaffen wird, kommen die Fahrgäste – und sie kommen in Scharen. Beispiele wie die Schönbuchbahn und nun die Hermann-Hesse-Bahn in Baden-Württemberg oder die Hesselbergbahn in Bayern zeigen ein und dasselbe Muster: Reaktivierte Strecken übertreffen regelmäßig die prognostizierten Fahrgastzahlen.
Was jetzt passieren muss – und was Sie tun können
Doch von allein wird sich nichts bewegen. Die Hermann-Hesse-Bahn hat auch gezeigt, dass es den langen Atem engagierter Bürgerinnen und Bürger braucht, um politische Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen. Für die Steigerwaldbahn bedeutet das ganz konkret:
Signalisieren Sie der Politik Ihren Willen. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den Gemeinderäten, Kreistagen und im Landtag müssen wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger die Bahn wollen. Nicht als abstraktes Konzept in einer Potenzialanalyse, sondern als konkrete Forderung an ihre Volksvertreter.
Tragen Sie das Thema immer wieder vor. In Bürgerversammlungen, bei Wahlkampfveranstaltungen, in Briefen an Ihre Abgeordneten, bei Treffen mit Kommunalpolitikern. Ob beim Neujahrsempfang oder beim Sommerfest: Manchmal muss die Gesellschaft den notwendigen Druck erzeugen, weil die drängendsten Themen zwischen Verwaltungsvorlagen und Tagesordnungspunkten aus dem Blick geraten.
Fordern Sie Ihre Gewählten auf, die Entwicklung der Region über das Parteibuch zu stellen. Die Zukunft des Steigerwaldvorland und seiner Gemeinden ist keine Frage von Parteizugehörigkeit. Eine reaktivierte Steigerwaldbahn stärkt den Wirtschaftsstandort, bringt Touristen in die Region, verbindet Schweinfurt, Georolzhofen, Wiesentheid und Kitzingen auf eine Weise, die der Busverkehr und gescheiterte Gadgetprojekte nicht leisten können, und gibt den Menschen vor Ort eine echte Alternative zum Auto.
Die Steigerwaldbahn hat eine Zukunft – wenn wir sie einfordern
In Calw haben sie fast 40 Jahre gekämpft. Es gab Rückschläge, Widerstände, Kostenexplosionen und Klagen. Aber die Menschen vor Ort haben nie aufgegeben. Heute fahren moderne Züge durch den Nordschwarzwald und die Fahrgastzahlen übertreffen alle Erwartungen.
Auch die Steigerwaldbahn kann diese Geschichte schreiben. Die Trasse existiert, das Potenzial ist da, und mit dem Deutschlandticket, veränderten Mobilitätsbedürfnissen und den bevorstehenden Brückenneubauten in Schweinfurt gibt es so viele gute Gründe wie nie zuvor für eine Neubewertung der Strecke.
Was fehlt, ist der politische Wille. Und den können nur Sie erzeugen.
Werden Sie aktiv. Unterstützen Sie den Förderverein Steigerwald-Express e.V. und setzen Sie sich gemeinsam mit uns für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn ein.
