Eine Analyse der Beschaffungswege für Mineraldünger im Steigerwaldvorland – und warum die Bahn dabei eine Schlüsselrolle spielen kann.
Das Steigerwaldvorland – eine der besten Agrarlandschaften Frankens
Die Steigerwaldbahn führt mitten durch eine besondere Landschaft: das Steigerwaldvorland. Als naturräumliche Über-Haupteinheit 137 der Mainfränkischen Platten erstreckt sich dieses Gebiet als sanft ansteigende, überwiegend offene Ebene zwischen dem Mittleren Maintal im Westen und dem Steigerwaldtrauf im Osten. Etwa 15 Kilometer breit, steigt das Gelände von rund 180 Metern am Main auf über 300 Meter am Fuß des Steigerwalds an. Von Norden nach Süden zieht sich das Vorland in einem weiten Bogen von Haßfurt über Gerolzhofen und Wiesentheid bis hinunter nach Kitzingen und Marktbreit.
Klima: Trocken, warm und lang
Das Steigerwaldvorland gehört zu einer ausgeprägten Wärmeinsel im Herzen Mainfrankens. Die Sommer sind von kontinentalem Charakter geprägt – heiß und trocken. Die Winter bringen ozeanische Einflüsse, die jedoch auf der Ostseite des Mains bereits abgeschwächt ankommen. Mit mittleren Niederschlägen von nur 550 bis 600 Millimetern pro Jahr ist das Gebiet relativ trocken – trockener als die meisten anderen Regionen Bayerns. Allerdings sorgt ein Luv-Effekt am Steigerwaldtrauf dafür, dass sich westliche Wolken entlang des Gebirgsanstiegs sammeln und abregnen. Das beschert dem östlichen Vorland etwas höhere Niederschläge als den Gaulandschaften westlich des Mains, fällt allerdings in den entscheidenden Vegetationsmonaten Mai bis Juli kaum ins Gewicht.
Was die Region auszeichnet, ist ihre außergewöhnlich lange Vegetationsperiode von über 160 Tagen – eine der längsten in ganz Bayern. Erst diese langen Wärmeperioden ermöglichen den Weinbau, der das Steigerwaldvorland seit Jahrhunderten prägt. Die großen Temperaturschwankungen im mehrjährigen Vergleich verstärken allerdings die Trockenheitsproblematik, was für die Landwirtschaft zunehmend zur Herausforderung wird.
Böden: Vielfältig und ertragreich
Die Bodenlandschaft spiegelt die drei naturräumlichen Haupteinheiten des Steigerwaldvorlands wider.
Im Südwesten, der Kitzinger Mainebene, dominieren ausgedehnte Flugsandgebiete um Kitzingen und Volkach. Diese leichten, gut durchlässigen Böden eignen sich hervorragend für Obst- und Ackerbau, sind aber anfällig für Austrocknung und Nährstoffauswaschung.
Weiter östlich, im Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland, wird die Landschaft deutlich hügeliger. Hier prägen Lettenkeuperböden das Bild – schwere, tonige Böden, die Wasser und Nährstoffe besser speichern, aber auch schwerer zu bearbeiten sind. Der Lößlehm-Anteil variiert kleinräumig erheblich, was dazu führt, dass benachbarte Schläge ganz unterschiedliche Bedingungen bieten. An den Hängen der Schwanbergstufe, dem Anstieg zum Steigerwaldtrauf, hat sich durch den historischen Weinbau eine einzigartige Kulturlandschaft erhalten.
Im Norden, dem Haßfurter Maintal, bestimmen der Main und der rasche Anstieg zum Steigerwald die Bodenlandschaft. Die Mainauenböden sind tiefgründig und nährstoffreich.
Über Jahrhunderte wurde durch den bodenwendenden Pflug und die daraus folgende Erosion an vielen Stellen eine Braunerde von 30 bis 40 Zentimetern Mächtigkeit abgetragen – ein Preis der intensiven ackerbaulichen Nutzung seit der fränkischen Besiedlung.
Wasser: Knapp, aber vorhanden
Die Trockenheit ist das bestimmende Thema der Wasserversorgung im Steigerwaldvorland. Mit ihren 550 bis 600 mm Jahresniederschlag liegt die Region am unteren Rand dessen, was für ertragreichen Regenfeldbau ausreicht. Bewässerung ist bislang wenig verbreitet, gewinnt aber angesichts zunehmender Trockenjahre an Bedeutung.
Das Gewässernetz besteht aus zahlreichen kleinen Bächen, die vom Steigerwaldtrauf nach Westen zum Main entwässern. Der Altbach bei Prichsenstadt, der Schernauer Bach und die zahlreichen Zuflüsse der Volkach und der Schwarzach durchziehen das Vorland. Der Main selbst als Bundeswasserstraße bildet die westliche Grenze und war historisch die Verkehrsader der Region.
Die Kulturen: Was auf den Feldern wächst
Die landwirtschaftliche Nutzung des Steigerwaldvorlands ist vielfältig und auf die klimatischen und bodenkundlichen Gegebenheiten zugeschnitten.
Getreide dominiert flächenmäßig. Winterweizen ist die wichtigste Kultur, gefolgt von Wintergerste und Sommergerste – letztere mit Blick auf die fränkische Brautradition nicht ohne Bedeutung. Dinkel hat in Franken eine lange Tradition und erlebt eine Renaissance. Die Ertragserwartungen liegen je nach Standort bei 60 bis 80 dt/ha.
Zuckerrüben sind eine der ertragsstärksten Marktfrüchte der Region. Die Nähe zur Südzucker-Fabrik in Ochsenfurt (nur rund 30 Kilometer entfernt) macht den Anbau wirtschaftlich attraktiv. Die langen, warmen Vegetationsperioden kommen der Rübe entgegen. Ihr Nährstoffhunger ist beachtlich – bis zu 450 bis 600 kg Kalium (K₂O) pro Hektar nimmt sie auf.
Winterraps wird in Unterfranken als „Zuckerrübe des kleinen Mannes“ bezeichnet – er liefert auch auf weniger günstigen Standorten gute Deckungsbeiträge. Sein Anteil an der Ackerfläche beträgt rund 15 Prozent. Der Rapsanbau bringt als Blattfrucht willkommene Abwechslung in die getreidereichen Fruchtfolgen der vieharmen Region.
Spargel ist eine regional bedeutende Sonderkultur, insbesondere um Prichsenstadt. Die sandigen Böden der Kitzinger Mainebene eignen sich hervorragend für den Spargelanbau.
Kartoffeln haben historisch eine Rolle gespielt, werden aber zunehmend durch Getreide und Zuckerrüben verdrängt.
Weinbau prägt das östliche Steigerwaldvorland entlang des Steigerwaldtraufs – die Lagen um Iphofen, Castell, Wiesenbronn und Rödelsee sind weit über Franken hinaus bekannt. Silvaner, Müller-Thurgau und Bacchus gedeihen auf den Muschelkalk- und Keuperverwitterungsböden. Historisch erstreckte sich der Weinbau über das gesamte Vorland; heute konzentriert er sich auf die Hanglagen im Osten.
Streuobstwiesen und Hecken prägen als naturbetonte Landschaftselemente das Bild zwischen den Ackerflächen und verleihen dem Steigerwaldvorland seinen charakteristischen Charme.
Strukturelle Besonderheiten
Das Steigerwaldvorland ist ländlich geprägt und dünn besiedelt. Die historische Zersplitterung Frankens – jeder Dorfherr bestimmte über sein kleines Territorium – hat eine Agrarstruktur hinterlassen, die bis heute nachwirkt: Die Schläge sind mit durchschnittlich nur 1,47 Hektar in Unterfranken sehr klein. Wachstumsbetriebe bewirtschaften häufig viele verstreute Parzellen zahlreicher Verpächter.
Die Region ist zudem vieharm. Wirtschaftsdünger wie Gülle und Stallmist stehen daher nicht in allen Betrieben in ausreichender Menge zur Verfügung. Das bedeutet: Die meisten Betriebe sind auf zugekaufte Mineraldünger angewiesen – Dünger, der von weit her kommt.
Und genau hier kommt die Steigerwaldbahn ins Spiel.
Der Dünger-Hunger: Was die Region braucht – und woher es kommt
All die genannten Kulturen brauchen Mineraldünger, und zwar in erheblichen Mengen.
Winterweizen, Dinkel und Gerste haben einen Stickstoffbedarf von 200 bis 230 kg N/ha, aufgeteilt auf zwei bis drei Gaben pro Saison. Eingesetzt werden Kalkammonsalpeter (KAS), Harnstoff und Ammonsulfatsalpeter (ASS). Dazu kommen Kali 60, Kieserit für die Magnesium- und Schwefelversorgung sowie Phosphatdünger. Schwefel wird in den trockenen Lagen Unterfrankens zunehmend zum Thema.
Winterweizen, Dinkel und Gerste haben einen Stickstoffbedarf von 200 bis 230 kg N/ha, aufgeteilt auf zwei bis drei Gaben pro Saison. Eingesetzt werden Kalkammonsalpeter (KAS), Harnstoff und Ammonsulfatsalpeter (ASS). Dazu kommen Kali 60, Kieserit für die Magnesium- und Schwefelversorgung sowie Phosphatdünger. Schwefel wird in den trockenen Lagen Unterfrankens zunehmend zum Thema.
Zuckerrüben sind die hungrigste Kultur: Bis zu 450 bis 600 kg Kalium (K₂O) pro Hektar nimmt die Rübe auf – mehr als jede andere Feldfrucht (Quelle: K+S Kali-Akademie, kpluss.com). Kalium steuert den Wasserhaushalt und die Zuckerproduktion. Dazu kommen 170 kg Stickstoff, Phosphat und Mikronährstoffe wie Bor und Mangan. Carbokalk aus der Südzucker-Fabrik Ochsenfurt deckt den Kalkbedarf als Kreislaufprodukt ab.
Winterraps – in Unterfranken die „Zuckerrübe des kleinen Mannes“ – braucht rund 200 kg N/ha und ist besonders auf Schwefel angewiesen (30 bis 60 kg S/ha). Schwefelmangel mindert die Effizienz der gesamten Stickstoffdüngung erheblich. Bor ist mit 300 bis 600 g/ha ebenfalls kritisch, da Trockenheit und hohe pH-Werte die Verfügbarkeit im Boden einschränken.
Spargel benötigt 80 bis 120 kg N/ha, typischerweise als NPK 12-12-17. Bor und Zink sind wichtige Mikronährstoffe, eine gute Kalkversorgung ist essenziell.
Kartoffeln brauchen 120 bis 160 kg N/ha und profitieren von organischer Düngung. Kalium wird über chloridarmes Patentkali zugeführt, um Qualitätseinbußen zu vermeiden.
Weinbau ist vergleichsweise extensiv gedüngt – nur 40 bis 80 kg N/ha. Hier kommen vorrangig organische Dünger zum Einsatz: Stallmist, Kompost, Trester. Kalium ist für den Zuckergehalt der Trauben essenziell. Auf den alkalischen Böden des Steigerwaldvorlands treten häufig Eisenchlorosen auf, die über Blattdüngung behandelt werden.
Ein typischer Ackerbaubetrieb mit 100 Hektar Winterweizen benötigt allein rund 20 bis 23 Tonnen Stickstoff pro Saison – dazu kommen die Mengen für Kali, Phosphat, Schwefel und Spurennährstoffe. Zuckerrüben, Raps und Spargel addieren ihren eigenen Bedarf obendrauf.
Nur wenige Düngemittel werden in der Region selbst produziert: Carbokalk aus dem Südzucker-Werk Ochsenfurt (rund 30 km entfernt), Trester von den örtlichen Winzergenossenschaften und Wirtschaftsdünger von den Betrieben vor Ort – das ist im Wesentlichen alles. Die industrielle Massenware – Kalkammonsalpeter, Harnstoff, Kaliumchlorid, NPK-Dünger – kommt von weit her.
Wir haben die wichtigsten Düngemittelproduzenten für unsere Region untersucht – mit besonderem Augenmerk auf deren Gleisanschlüsse und das Potenzial für Bahntransporte zur Steigerwaldbahn.
Die Erzeuger und ihre Gleisanschlüsse
K+S Werk Werra – Hier kommt das Kali her
Standort: Heringen und Philippsthal (Hessen), Unterbreizbach und Merkers (Thüringen)
Produkte: Kali 60 (Kaliumchlorid), Kornkali, Patentkali, Kieserit, Magnesia-Kainit – alles Düngemittel, die im Steigerwaldvorland in großen Mengen eingesetzt werden. Allein der Kalibedarf für Zuckerrüben liegt bei 450 bis 600 kg K₂O pro Hektar.
Bahnanschluss: Hervorragend. Das Verbundwerk Werra verfügt über eine eigene Werksbahn und ist über die Bahnstrecke Gerstungen an das überregionale Schienennetz angebunden. Zusätzlich wurde die Strecke Unterbreizbach–Vacha als zweite Anbindung reaktiviert. Das Werra-Kombi-Terminal in Röhrigshof ermöglicht Containerzüge. Die Verladeinfrastruktur ist auf Massengut-Bahntransport ausgelegt – Kali ist seit über 100 Jahren klassisches Eisenbahn-Frachtgut im Werratal.
Entfernung ins Steigerwaldvorland: Nur ca. 150 bis 200 Kilometer – die kürzeste Distanz aller großen Düngererzeuger.
Bewertung: Der nächstgelegene große Düngemittelerzeuger mit perfekter Verladeinfrastruktur für Bahntransport. Kali aus dem Werratal ist seit über einem Jahrhundert klassisches Eisenbahn-Massengut.
SKW Piesteritz – Deutschlands größter Stickstoffproduzent
Standort: Lutherstadt Wittenberg, Sachsen-Anhalt
Produkte: Kalkammonsalpeter (KAS 27), Harnstoff (46 % N), Ammonsulfatsalpeter (ASS 26), Flüssigdünger AHL – die Standard-Stickstoffdünger der fränkischen Ackerbauern.
Bahnanschluss: Erstklassig. Das Werk verfügt über 34 Kilometer werkseigene Gleisanlagen, 730 eigene Eisenbahnwaggons und eine Schüttgut-Verladekapazität von 1.500 Tonnen pro Schicht auf zwei Gleisen. Zusätzlich gibt es einen eigenen Elbe-Hafen. SKW Piesteritz wickelt einen Großteil seiner über zwei Millionen Tonnen Jahresproduktion per Bahn ab.
Entfernung: Ca. 350 Kilometer.
Bewertung: Bahntransport seit Jahrzehnten gelebte Praxis, großes Volumen.
LAT Nitrogen – NPK-Spezialist aus Linz
Standort: Chemiepark Linz, Österreich
Produkte: KAS (NAC 27), die NPK-COMPLEX-Serie (12/12/17, 15/15/15, 20/20), ASS, Harnstoff. Gehört wie SKW Piesteritz zum Agrofert-Konzern.
Bahnanschluss: Ausgezeichnet. Die Werksbahn im Chemiepark Linz wird von LogServ betrieben und wickelt rund 11.000 Waggons pro Jahr ab. LAT Nitrogen ist Eigentümer der Gleisinfrastruktur am Standort. Zusätzlich unterhält das Unternehmen ein Netz von Lagern entlang der Donau.
Entfernung: Ca. 400 bis 450 Kilometer.
Bewertung: Kombinierte Donau-Bahn-Logistikkette möglich.
Weitere Erzeuger
BASF Ludwigshafen (ca. 250 km) verfügt mit über 230 km Werkschienennetz über eine herausragende Bahninfrastruktur, produziert aber seit der Energiekrise kaum noch Düngemittel direkt.
Die Yara-Werke in Rostock-Poppendorf (ca. 550 km) und Brunsbüttel (ca. 650 km) bedienen vorrangig den nord- und ostdeutschen Markt und sind für Unterfranken weniger relevant.
Die Idee: Beschaffungsgemeinschaften auf der Schiene
Heute kaufen fränkische Landwirte ihren Dünger über den Landhandel – BayWa, Raiffeisen und Co. Der Landhandel bündelt die Bestellungen, disponiert die Ware und liefert per LKW. Für diese Dienstleistung zahlt der Landwirt eine Handelsmarge, die im aktuellen Marktumfeld erheblich sein kann.
Doch dieses Modell steht auf wackligen Füßen. Der BayWa-Konzern – in weiten Teilen Frankens der wichtigste Landhandelspartner – steckt in einer schweren finanziellen Krise. Das Unternehmen fährt eine Ausdünnungs- und Rückzugsstrategie: Standorte werden zusammengelegt, Lager geschlossen, Serviceleistungen reduziert. Für die Landwirte im ländlich geprägten Steigerwaldvorland bedeutet das: längere Wege, weniger Auswahl, schlechtere Verfügbarkeit – und trotzdem dieselben oder höhere Preise. Was passiert, wenn der nächste BayWa-Standort schließt?
Was wäre, wenn die Landwirte im Steigerwaldvorland die Düngerbeschaffung in die eigene Hand nehmen würden – organisiert in einer regionalen Beschaffungsgemeinschaft?
Das Prinzip ist einfach und erprobt: Die Betriebe der Region schließen sich zusammen und geben eine Sammelbestellung auf – direkt beim Hersteller. Sie bezahlen den Werkspreis plus Transportkosten, ohne die Handelsmarge eines Zwischenhändlers. Der Dünger wird per Bahn an einen Entladepunkt an der Steigerwaldbahn geliefert. Von dort holt jeder Landwirt seinen bezahlten Dünger selbst mit dem Traktor und Anhänger ab – oder lässt ihn von einer regionalen Spedition oder seinem Lohnunternehmer die letzten Kilometer auf den Acker bringen.
Was die Landwirte davon haben
Die Landwirte behalten die Handelsmarge, die heute an den Landhandel fließt. Statt den Dünger als fertig gelieferte Handelsware zu beziehen, organisieren sie die Beschaffung selbst – und gewinnen damit echte Wertschöpfungstiefe. Die Transportkosten per Bahn liegen bei Massengütern wie Kali oder KAS deutlich unter dem LKW-Einzeltransport über dieselbe Distanz.
Mindestens ebenso wichtig: Eine eigene Beschaffungsgemeinschaft ist ein Hedge gegen die Unsicherheiten im Landhandel. Wer seine Versorgung selbst organisiert, ist nicht mehr davon abhängig, ob der BayWa-Standort in der Nähe nächstes Jahr noch existiert. Die Beschaffung liegt in den Händen derer, die den Dünger tatsächlich brauchen.
Gleichzeitig stärkt das Modell die regionale Wirtschaft: Lokale Lohnunternehmer übernehmen die Verteilung, die Steigerwaldbahn erhält ein planbares Frachtaufkommen, und das Geld bleibt in der Region statt in der Konzernbilanz.
Ein konkretes Szenario
Nehmen wir das Beispiel Kali aus dem K+S-Werk Werra. Fünf Betriebe mit zusammen 200 Hektar Zuckerrüben haben einen Kalibedarf von rund 90 Tonnen K₂O pro Saison. In Kali 60 (mit 60 % K₂O-Gehalt) umgerechnet sind das etwa 150 Tonnen – zwei bis drei Schüttgutwagen. Ein solcher Transport lässt sich als Einzelwagenverkehr abwickeln, ohne dass gleich ein ganzer Zug zusammengestellt werden muss. Das macht den Einstieg niedrigschwellig.
Nach oben gibt es keine Grenze. Wenn sich die Beschaffungsgemeinschaft über die Region etabliert und neben Kali auch Stickstoffdünger, NPK und Kieserit bündelt, wachsen die Mengen schnell. Ein Ganzzug mit 20 Wagen transportiert über 1.000 Tonnen auf einen Schlag – das ersetzt rund 50 LKW-Fahrten.
Organisation und Bestellsystem
Damit eine Beschaffungsgemeinschaft funktioniert, braucht es ein System, über das die Landwirte ihre Bedarfe anmelden können – übersichtlich, verbindlich und rechtzeitig vor der Saison.
Die Bahn’n’Bytes GmbH aus Großlangheim kann ein digitales Bestellsystem bereitstellen, über das jeder Landwirt seine Düngermengen für die kommende Saison bestellen kann – aufgeteilt nach den einzelnen Flächen und Kulturen. So lässt sich der Gesamtbedarf der Region bündeln und die Sammelbestellung beim Hersteller aufgeben. Gemeinsam mit ihren Partnern aus der Bahnindustrie kann die Bahn’n’Bytes den Bahntransport disponieren, die Verladung am Herstellerwerk und die Abgabe vor Ort organisieren und umsetzen. Die Lieferung wird zur reinen Kostenbasis organisiert – ohne Handelsaufschlag.
Zu diesem Konzept gab es bereits Gespräche mit einzelnen größeren Landwirtschaftsbetrieben aus der Region. Das Interesse ist da, die wirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand. Unter anderem wurde vereinbart, die Beschaffung von gebrauchten Uas-Schüttgutwagen zu prüfen. Diese Standardwaggons für den Transport von Mineraldünger sind gebraucht sehr kostengünstig zu haben – und bieten einen weiteren Vorteil: Weil sie im Eigentum stehen, läuft keine Tagesmiete – sie können daher problemlos eine gewisse Zeit als stehendes Lager genutzt werden. Der Dünger muss also nicht sofort nach Ankunft umgeschlagen werden, sondern kann im Waggon zwischengelagert und nach Bedarf abgeholt werden.
Die nächsten Schritte
Das Konzept steht am Anfang, aber die Grundlagen sind vielversprechend: Die Erzeugerwerke verfügen über leistungsfähige Bahnverladeinfrastruktur. Die Steigerwaldbahn bietet den Schienenweg in die Region. Und die Landwirte im Steigerwaldvorland haben ein handfestes wirtschaftliches Interesse an günstigerer Düngemittelbeschaffung – gerade in einer Region, die wegen ihrer Vieharmut auf zugekaufte Mineraldünger angewiesen ist.
Doch all das setzt voraus, dass die Steigerwaldbahn als Bahnstrecke erhalten bleibt. Landwirte, Landeigentümer und alle, die von einer funktionierenden und kostengünstigen Düngerversorgung profitieren, müssen deshalb aktiv werden: Sie müssen ihre politischen Vertretungen mobilisieren, sich für den Erhalt der Strecke einzusetzen. Und sie müssen die Lokalpolitik über ihre Anliegen aufklären – denn vielen Kommunalpolitikern ist schlicht nicht bewusst, welches wirtschaftliche Potenzial in der Bahnstrecke steckt, wenn man sie nicht nur als Personenverkehrsverbindung betrachtet, sondern als Logistikader für die Landwirtschaft der Region.
Was jetzt gebraucht wird, sind Landwirte, Betriebsleiter und Landeigentümer, die Interesse an der Beschaffungsgemeinschaft haben und bereit sind, gemeinsam die nächsten Schritte zu planen: Bedarfsermittlung, Preisvergleiche mit den Herstellern und die Klärung der Entladeinfrastruktur vor Ort.
Der Förderverein Steigerwald-Express e.V. fordert schon lange die Reaktivierung der Steigerwaldbahn zum Nutzen der Region. Er steht gerne bereit, wichtige Akteure miteinander zu vernetzen und der wirtschaftlichen Entwicklung des Steigerwaldvorlands damit Vorschub zu leisten. Wer die Arbeit des Fördervereins unterstützen möchte – sei es durch Mitgliedschaft, aktive Mitarbeit oder einfach durch das Weitertragen der Idee – ist herzlich willkommen. Sprechen Sie uns an.
Dünger auf die Schiene zu bringen ist keine Vision aus der Vergangenheit – es ist ein wirtschaftlich sinnvolles Modell für die Zukunft. Die Infrastruktur steht bereit. Jetzt braucht es die Akteure, die es umsetzen.
Bild: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
