Fünf Bürgerinitiativen wollen am 3. Mai 2026 einen Sonderzug von Nördlingen auf zwei stillgelegte Strecken schicken — und beweisen, dass Reaktivierung funktioniert. Dafür brauchen sie jetzt Unterstützung per Crowdfunding.
Wer sich für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn einsetzt, kennt das Gefühl: Man kämpft gegen politische Trägheit, gegen fragwürdige Nutzen-Kosten-Berechnungen und gegen das Mantra „Das rechnet sich doch nie”. Im bayerischen Nordries — der ländlichen Region zwischen Nördlingen, Dinkelsbühl und Wassertrüdingen — kennen sie dieses Gefühl genauso gut. Und sie haben einen entscheidenden Vorteil: Einen Beweis, dass es funktioniert.
Die Hesselbergbahn fährt wieder
Am 15. Dezember 2024 wurde der nördliche Abschnitt der Hesselbergbahn zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen reaktiviert — Bayerns einzige Personenverkehrs-Reaktivierung in jenem Jahr. Vier neue barrierefreie Haltepunkte, Stundentakt als Linie RB 62, und nach einem Jahr Betrieb zeigt sich: Die Züge sind gut ausgelastet. Was den Erfolg besonders bemerkenswert macht: Die Bayernbahn GmbH hat die Infrastruktur weitgehend ohne öffentliche Zuschüsse wiederaufgebaut — mit erheblichem ehrenamtlichen Einsatz.
Klingt vertraut? Für uns als Förderverein Steigerwald-Express ist diese Geschichte nicht nur erfreulich, sondern hochrelevant. Jede erfolgreiche Reaktivierung in Bayern erhöht den politischen Druck für die nächste.
Was jetzt im Nordries passiert
Doch der Kampf dort ist längst nicht gewonnen. Zwei Strecken ringen weiter um ihre Zukunft:
Die südliche Hesselbergbahn (Wassertrüdingen–Nördlingen) wartet noch auf die passende Taktlage, damit Anschlüsse Richtung Augsburg und München funktionieren. Die Initiative Verbindung zwischen Freunden aus Wassertrüdingen kämpft dafür, dass die Züge endlich auch diesen Abschnitt befahren.
Die Romantische Schiene (Nördlingen–Dombühl) hat am 1. Juni 1985 ihren Personenverkehr verloren — vor fast genau 40 Jahren. Für den nördlichen Abschnitt (Dombühl–Wilburgstetten) liegt bereits eine 15-jährige Bestellgarantie des Freistaats vor, die geschätzten Baukosten betragen rund 49,5 Millionen Euro. Die Jugendinitiative Mission Bahnstation aus Dinkelsbühl hat mit über 3.200 Petitionsunterschriften den Bayerischen Landtag erreicht.
Der südliche Abschnitt (Wilburgstetten–Nördlingen) erfüllt die Schwellenwerte der BEG bisher noch nicht — eine Situation, die uns beim Thema Steigerwaldbahn allzu bekannt vorkommt. Sieben Gemeinden entlang dieser Strecken sind von Bevölkerungsrückgang betroffen. Sechs davon liegen an den stillgelegten Gleisen.
Ein Sonderzug als Zeichen
Am 3. Mai 2026 wollen fünf Organisationen gemeinsam ein Zeichen setzen: Ein Sonderzug soll um 11 Uhr ab Nördlingen auf beide Strecken fahren — Richtung Wassertrüdingen und Richtung Wilburgstetten. Organisiert wird die Fahrt von PRO BAHN Bayern e.V. zusammen mit Mission Bahnstation, Verbindung zwischen Freunden, dem Begegnungstreffen Wilburgstetten und dem Bund Naturschutz Nördlingen. Den Zug stellt die Bayernbahn GmbH.
Das Ganze kostet 6.000 Euro — davon 5.000 Euro für Zug und Personal, der Rest für Werbung, Verpflegung und Programm an den Haltepunkten. Finanziert werden soll es über ein Crowdfunding auf der Plattform „Viele schaffen mehr” der VR-Banken:
Das Funding-Modell ist „Alles oder nichts”: Wird das Ziel nicht erreicht, fließt jedes Geld zurück. Spendenbescheinigungen stellt PRO BAHN Bayern e.V. aus.
Warum uns das angeht
Man könnte sagen: Nordries ist weit weg vom Steigerwald. Stimmt geographisch. Aber politisch kämpfen wir denselben Kampf. Die Argumente der Gegner sind — wie PRO BAHN-Sprecher Timm Kretschmar es treffend formuliert hat — „überall gleich falsch”. Und jeder Erfolg einer Reaktivierungsbewegung in Bayern macht es schwieriger, die nächste abzulehnen.
Die Hesselbergbahn-Nord hat es vorgemacht. Wenn jetzt auch die Sonderzugfahrt am 3. Mai ein Erfolg wird — mit vollen Waggons und medialer Aufmerksamkeit — dann stärkt das nicht nur die Nordries-Strecken, sondern jede Reaktivierungsinitiative im Freistaat. Auch unsere.
Deshalb unsere Bitte: Unterstützt das Crowdfunding mit einer Spende oder teilt den Link in eurem Netzwerk. 6.000 Euro sind ein bescheidenes Ziel für eine Bewegung, die schon bewiesen hat, was sie kann.
➡ Jetzt unterstützen auf viele-schaffen-mehr.de
Weiterführende Informationen:
- Donau-Ries-Aktuell: Aktion zur Bahnreaktivierung im Nordries
- Donau-Ries-Aktuell: Bahnreaktivierung braucht starken Rückhalt
- SPD Dinkelsbühl: Mission Bahnstation treibt Reaktivierung an
- Wikipedia: Bahnstrecke Nördlingen–Dombühl
- Bayerisches Staatsministerium: Bahn frei für Nördliche Hesselbergbahn
